PORTRAITS
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Umarmen ohne zu klammern
Es gibt Menschen, die leuchten. Von denen ein ganz besonderer Zauber ausgeht. Der Schriftsteller Hans Kruppa ist so ein Mensch. Er liest und spricht ruhig und sanft, ohne träge oder monoton zu werden. Er erzählt offen und ehrlich und bleibt doch zurückhaltend. Das ist ein Mensch, der gerne umarmt, der sich aber auch rechtzeitig wieder lösen kann. Vielleicht ist ihm daher folgender Satz am liebsten von allen seinen Sätzen, die er geschrieben hat: "Umarme das Wunderbare, ohne dich daran zu klammern."
Mit diesem weisen Spruch beendet Kruppa am Montagabend seine Lesung im Coppenrath Verlag an Münsters Hafenmeile. Im fünften Stock des liebevoll gestalteten Speichers sitzen rund 100 Menschen in einer kuscheligen Runde zusammen - unter urigen Dachbalken, rüschig-plüschig auf Stühlen mit rot und blau gepunkteten Stoffhussen, umgeben von alten Truhen. Ein Raum, der - zum ersten Mal als Vorlesesaal genutzt - prima angenommen wurde und perfekt funktionierte. "Das wird nicht die letzte Lesung hier gewesen sein", verspricht Freund und Verleger Wolfgang Hölker.
Wenn sie so werden wie die mit Hans Kruppa, ist der Erfolg garantiert. Was Hans Kruppa zu sagen hat, klingt so leicht und luftig und lotet doch die tiefsten Gedanken, schönsten Gefühle und schwersten Stunden aus, die der Mensch haben kann. Wer Hans Kruppa liest, gönnt seinem Verstand eine Pause. Wer Hans Kruppa zuhört, beginnt wieder an das Gute im Menschen zu glauben. "Wenn ich einen Liebesbrief schreiben würde, würde ich reihenweise Hans Kruppa zitieren", sagt eine Besucherin. Ein schöneres Kompliment kann es wohl kaum geben. Oder doch? Vielleicht das eines Germanistik-Professors, der Kruppa anvertraute, dass die großen Lyrikpreise wohl an ihm vorbeigehen werden: "Deine Bücher sind nicht krank genug."
Und auch nicht kompliziert genug. Doch je schlichter, desto beliebter: Nicht die Märchen oder Gedichte, die Aphorismen sind es, die das Auditorium an diesem Abend am meisten berühren. Kurze, weise Sätze, die nach langen Jahren des Nachdenkens klingen, die aus ihm "einfach so rauskommen". Mit Kruppa gesprochen: "Weisheit ist eine seltene Gabe, von Natur aus frei."
© Sabine Müller, Münstersche Zeitung, 25.06.2008
Gedichte, die aus dem Herzen kommen
Seine Gedichte inspirieren. Seine Märchen sprechen vielen Menschen aus der Seele. Seine Romane ermutigen und trösten. Der 54-jährige Hans Kruppa ist einer der erfolgreichsten deutschen Dichter und Erzähler. Seine mehr als 80 Bücher wurden über zwei Millionen Mal verkauft. Und Kruppas Texte sind nicht nur bei deutschen Lesern beliebt. Den in Bremen lebenden freien Schriftsteller erreichen immer mehr Zuschriften aus dem Ausland. Drei seiner Bücher werden in den kommenden Monaten in Korea erscheinen.
Schon als Student begann Kruppa, Gedichte und Geschichten zu schreiben und sie in Literaturzeitschriften zu veröffentlichen. An der Universität Freiburg hatte er sich für die Fächer Englisch und Sport auf Lehramt eingeschrieben. Obwohl er mit dem Ende des Studiums sich nichts mehr gewünscht hatte, als Schriftsteller zu werden, begann er zu unterrichten. "Mir war klar, dass die Schriftstellerei eine brotlose Kunst sein könnte", erinnert er sich. "Aber mein Wunsch, als Schriftsteller zu leben, ließ sich nicht dauerhaft unterdrücken", fügt er hinzu.
Mit 31 Jahren gab er seinen Beruf als Lehrer am Gymnasium auf. Er habe erkannt, dass das nicht die richtige Aufgabe für ihn gewesen sei, sagt er. Und er habe gehofft, sich als Schriftsteller einen Namen machen zu können. Denn die Reaktionen auf veröffentlichte Texte und bei Lesungen seien durchweg positiv gewesen. Kruppas Hoffnung bestätigte sich schnell: Im Oktober 1983 erschien sein erstes Buch, der Gedichtband "Nur für dich". Weihnachten 1983 war die erste Auflage schon vergriffen.
"Hans Kruppa schreibt den Menschen einfach aus dem Herzen", sagt Patricia Keßler vom Knaur Verlag zum Erfolg des Schriftstellers. In dem Verlag ist vor wenigen Wochen sein neues Buch "Das Tor zum Glück" erschienen. 5000 Mal wurde es schon verkauft. Gerade junge Leser fühlen sich von Kruppas Worten angesprochen. "Das liegt vielleicht daran, dass ich selbst innerlich jung geblieben bin", sagt der 54-Jährige.
Oft geht es in seinen Gedichten um Liebe angefangen von der ersten Begegnung zwischen zwei Menschen über Sehnsüchte bis hin zum Trennungsschmerz. In der 1988 veröffentlichten Geschichte "Kaito" lässt Kruppa einen asiatischen Jungen sein Heimatdorf verlassen, um fern von Familie und Freunden seinen eigenen Weg zu gehen. "Junge Leser fühlen sich in meinen Texten in ihren eigenen Gefühlen bestätigt", sagt der Autor. Doch Kruppas Geschichten werden auch von älteren Menschen gelesen. "Was ich schreibe, ist generationsübergreifend, zeitlos", sagt Kruppa. Viele seiner Leser verstünden seine Worte als Ratschläge für das eigene Leben. Und das ist von Kruppa durchaus gewollt. So beschreibt er in "Das Tor zum Glück" einen "konstruktiven und kunstvollen Umgang mit den unterschiedlichsten Situationen und Stationen des Lebens". "Dabei trete ich nicht als Lehrer auf, sondern vermittle, wie ich selbst mit Themen umgehe, die jedem von uns in seiner Entwicklung begegnen", sagt er.
Feste Arbeitszeiten kennt Kruppa nicht. "Es gibt kreative Phasen, die ich zum Schreiben nutze und weniger kreative", sagt er. So kann es vorkommen, dass ein Gedicht schon einmal innerhalb von nur zehn Minuten aufs Papier kommt. "Meine Gedichte und Aphorismen entstehen oft spontan aus einer Stimmung, einem Gefühl, einer Erfahrung heraus. Ich frage mich nicht, ob sie es wert sind, festgehalten zuwerden. Ich schreibe sie einfach", sagt er. An seinen Büchern hingegen arbeitet Kruppa monatelang. Dabei hat er einen ganz eigenen Stil. Er weiß nämlich nie, wie seine Geschichten enden. "So bin ich gewissermaßen mein eigener Leser und bin auf den weiteren Verlauf der Handlung gespannt", sagt er.
Sitzt er nicht an seinem Schreibtisch in Bremen, spielt er Gitarre und Klavier, fotografiert und komponiert Songs. "Bei schönem Wetter gehe ich einfach gerne spazieren, fahre Rad und genieße den Sonnenschein", verrät er seine weiteren Hobbys.
© ddp 2006, Claudia Kuzaj
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Das Leben ist eine Wundertüte
Verliebten, die ein Faible für Gedichte haben, dürfte Hans Kruppa längst bekannt sein. Liebe zieht sich wie ein roter Faden durch die Werke des in Bremen lebenden Schriftstellers in Gedichten, Erzählungen oder Romanen. Es ist eben ein Thema, "das mich betrifft, interessiert und fasziniert", so Hans Kruppa und "Liebe ist immer größer als alle Vorstellungen, die wir uns von ihr machen. Sie überwältigt uns mit ihrer Pracht und führt uns vor Augen, wie glanzlos unser bisheriges Leben war." Die Stuttgarter Nachrichten haben ihn sogar zum "unangefochtenen Meister der Liebeslyrik" ernannt.
Von den bisher etwa 70 erschienenen Werken liegt ihm der jüngst im Januar herausgekommene Roman "Der Kuss des Schmetterlings" besonders am Herzen, auch wenn es eine schwere Geburt war: Fast vier Jahre arbeitete Kruppa an dem Buch. Sein Ziel ist es, "den Virus der Liebe unter die Leute zu bringen". Auf die Frage, was es für ein Gefühl ist, wenn man sein Werk dann endlich frisch gedruckt in den Händen hält, legt sich ein Strahlen auf sein Gesicht: "Es ist einfach toll und ich bin sehr glücklich, dass es dieses Buch gibt". Anfangs habe er ein Exemplar ständig mit sich herum getragen, wie ein Baby.
Doch nicht immer ist das Schreiben an einem Roman ein so langwieriger Prozeß. Es kommt auch schon mal vor, dass der Wahl-Bremer in nur vier Monaten Seite für Seite füllt und etwas Neues fabriziert. Das hängt ganz von seiner Stimmung ab, Schreibblockaden kennt er übrigens nicht. Wenn sich in ihm nichts regt und er keine Inspiration verspürt, dann lässt er das Schreiben an diesen Tagen eben sein und greift statt dessen zu einem guten Buch oder macht etwas ganz Anderes. Sich unter Druck zu setzen bringt da gar nichts und macht alles nur noch schwieriger, zumal Kruppa der Auffassung ist, "dass ein Gedicht geschrieben werden will, ich stelle mich ihm nur als devote Schreibkraft zur Verfügung". Die Muse muss also erst einmal anklopfen, bevor Kruppa den Stift zur Hand nimmt. Eben diese "Dame", die für Inspirationen sorgt, zeigt sich laut Hans Kruppa vor allem "in mir selbst, in Erfahrungen und Beobachtungen, in wesentlichen Beziehungen mit anderen Menschen und in der Musik."
Das Musikmachen ist übrigens eine weitere Leidenschaft. "Ich bin eigentlich ein verhinderter Musiker, aber jeder scheitert so gut er kann", verrät Hans Kruppa. Auch Fotografieren begeistert ihn, und sein Beruf als Künstler ermöglicht es ihm, sich in jeder Hinsicht kreativ auszutoben. Gerade Vielfältigkeit und Kreativität sind die wohl wichtigsten Attribute eines Schriftstellers, und er beweist, dass er über diese Dinge verfügt. Demnächst bringt er einige seiner Leidenschaften unter einen Hut: Er singt aus eigener Hand stammende Songtexte, spielt dazu Gitarre und liest zwischendurch seine eigenen Gedichte auf einem im Herbst erscheinenden Hörbuch vor.
Den größten Vorteil im Beruf des Schriftstellers sieht der gebürtige Marler in "den Freiheiten, die er mir gibt. Ich kann ohne Wecker und Terminkalender leben, bin an keinen festen Ort gebunden, ich muss mir von niemandem etwas sagen lassen und kann meine Arbeitszeiten selbst einteilen". Ein großer Luxus, gerade in der heutigen, hektischen Zeit, für den er sehr dankbar ist.
Der Weg dahin führte zunächst über ein Studium der Fächer Englisch und Sport. "Ich wusste immer, was ich nicht machen wollte", und so ergriff Kruppa zunächst den Beruf des Lehrers, der ihn nach Bremen verschlug. Bald keimten erste Zweifel auf, wirklich glücklich war er mit dieser Wahl nicht. Das merkte auch ein Kollege, der ihm eines Tages auf die Schulter klopfte mit den Worten: "Du bist hier nicht am richtigen Ort. Lebe deine kreative Ader aus". Ein Erlebnis, an das Kruppa sich lachend erinnert.
Also folgte er seiner inneren Stimme, die immer lauter wurde und ihm ins Ohr flüsterte, dass er das, was er zu erzählen hat, mitteilen soll. Somit hängte er den Lehrer-Job nach zwei Jahren an den Nagel sehr wagemutig, doch "risikofreudig war ich schon immer", so Kruppa, denn "letztlich zählt das Handeln, nicht das Wollen das Geschehen, nicht die Möglichkeiten. Letztlich zählt der Mut, nicht die guten Vorsätze der Sprung, nicht das Hindernis."
Zwar hatten Kollegen, Freunde und Familie wenig Verständnis für diese Entscheidung, davon abhalten ließ er sich aber nicht. Das überwiegend positive Feedback, das er für erste Veröffentlichungen in Zeitschriften und beim Rundfunk erntete, stärkten und bestätigten ihn darin, "das Leben zu leben, das mich der sein läßt, der ich bin".
Wenn er Kritik erntet, weiß Hans Kruppa damit umzugehen: "Die Beurteilung von Literatur ist immer eine Geschmacksfrage, und Geschmäcker sind bekanntlich sehr verschieden." Weitaus mehr Gewicht haben Meinungen von Freunden ohnehin, und so hat ihn das Lob eines Freundes, des Schriftstellers Heinz Körner, sehr stolz gemacht, der "Der Kuss des Schmetterlings" als großes Meisterwerk bezeichnete.
© Bremer - Die Stadtillustrierte. 3/2004, Sabina Poppen
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Minnesänger ohne Absichten
Hans Kruppa - der lyrische Philosoph für den Augenblick
Er gilt als Meister der Liebeslyrik, als Mann, der mit dem Herzen denkt, als Realist mit Mut zu seinen Gefühlen. Hans Kruppa spielt gekonnt auf der Klaviatur der Zwischentöne - und hat damit grossen Erfolg.
Dieser Mann wirkt so zerbrechlich. Das mildert die Wut. Die Wut darauf, dass er immer auf alles eine Antwort hat. Enttäuschte Liebe. Hans Kruppa nimmt es leicht, schreibt von neuer Hoffnung, neuer Freiheit, neuen Möglichkeiten. Zweifel, Unsicherheit, Ängste. Hans Kruppa schreibt von Chancen, von Suche und Sehnsucht. Fehlbarkeit, Schwäche, Scheitern. Hans Kruppa schreibt über weiße Wolken, Lebenskunst und bunte Schmetterlinge.
Man möchte ihn packen, schütteln und anbrüllen: Woher willst du das wissen? So einfach ist das nicht mit dem Leben, der Liebe, der Welt! Oder doch?
Doch, findet Hans Kruppa, knabbert an einem Schokoriegel und lächelt. Es ist ganz einfach. Es ist wie es ist. Diese Gelassenheit kann sich nur leisten, wer nicht der große Weltverbesserer sein will, sondern die Philosophie des Augenblicks lebt. In seinem reichen Wortschatz fehlt die Vokabel Lebensplan.
"Ich bin kein Architekt. Ich lege den Stein einfach hin, ohne zu wissen, ob daraus ein rundes oder ein eckiges, ein großes oder ein kleines Haus wird."
Genauso ist es mit seinen Texten. "Plötzlich habe ich eine Idee und schreibe sie auf. Und irgendwann fängt es einfach an zu fließen." Niemals käme er auf die Idee, ein Konzept für einen Roman zu entwickeln. Es würde ihn langweilen, wenn er am Anfang schon wüsste, wie die Geschichte ausgeht, erzählt der in Bremen lebende Schriftsteller, für den das Schreiben ein Spiel mit den Möglichkeiten der Sprache ist.
Seine Gedichte und Aphorismen leben von poetischen Wortspielen, fantasievollen Metaphern und unverhofften Pointen. Einmal zu Papier gebracht, nimmt er an seinen lyrischen Streifzügen durch die Gefühls- und Erlebniswelt der Menschen kaum Änderungen vor. Es ist diese vollkommene Absichtslosigkeit, von der Kruppa glaubt, sie sei der Grund für seinen Erfolg. "Ich helfe den Menschen ohne erhobenen Zeigefinger, mit sich selbst in Kontakt zu kommen. Meine Texte enthalten etwas Übergreifendes, in dem sich jeder wieder finden kann", ist Kruppa von sich und seiner Arbeit überzeugt.
Kritik, er bediene nur ein allgemeines Bedürfnis nach Selbstbespiegelung, Innenschau und Rückzug in das Private, prallt an ihm ab. Er hockt einfach da, im Schneidersitz auf seinem orangen Sofa, schaut gleichermaßen konzentriert und unverbindlich drein wie die zahlreichen Buddha-Figürchen, die in der ganzen Wohnung verteilt sind, und kontert: "Meine Bücher sprechen Menschen beiderlei Geschlechts, aller Altersgruppen und unterschiedlicher Bildungsschichten an. Das wäre nicht so, wenn ich unglaubwürdig und meine Texte nicht authentisch wären."
Hans Kruppa kennt den Argwohn, den Vernunftmenschen gegen Gefühlsmenschen wie ihn hegen. Er muss nicht einmal über Reinkarnation, Bewusstseinserweiterung und Astrologie sprechen, um Lichtjahre von der Ex-und-Hopp-Gesellschaft entfernt zu sein. Es genügt schon, wenn er die Pflanze von der Fensterbank auf den Wohnzimmertisch stellt und sagt: "Du sollst die Welt auch mal aus einer anderen Perspektive sehen."
Dabei ist es doch ganz einfach. Hans Kruppa ist wie er ist. Ein bisschen Softy, ein bisschen Alt-68er, ein bisschen modernen Minnesänger und ein bisschen letzter Mohikaner. Und auf einmal strotzt dieser zerbrechlich wirkende Mann vor Kraft, weil man ihm abnimmt, dass er aller Hässlichkeit, Entfremdung und Zweifelhaftigkeit etwas entgegen zu setzen hat, und sei es auch nur ein bunter Schmetterling.
© 1999 Allgemeine Zeitung Coesfeld, Christel Tibroni
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© an den Photos by Hans Kruppa
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