AUSKÜNFTE


Warum schreiben Sie?
Weil dies mein größtes Talent ist, die mir entsprechende Art, meine Gedanken und Gefühle, meine Lebenseinstellung und Weltanschauung, meine Philosophie und Phantasie zum Ausdruck zu bringen. Schreiben ist für mich mehr mehr als ein Beruf, es ist ein Teil meines Lebens, ein Element meiner Lebensqualität.

Wie stehen Sie zu Ihrem Erfolg?
Ich freue mich über ihn und genieße ihn. Manchmal wundere ich mich auch über ihn, weil ich nie für bestimmte Marktschubladen geschrieben und nie vermeintliche Leserbedürfnisse befriedigt oder Zielgruppen bedient habe.

Welches Ihrer Bücher empfinden Sie als Ihr bestes?
Mein bislang bestes Buch, genauer gesagt, mein tiefstes und wertvollstes, ist der Roman "Das Geschenk der Sterne". Seine Hauptfigur ist der chinesische Philosoph Tschuang Tse, der im vierten Jahrhundert vor unserer Zeit lebte.
Tschuang Tse ist in meinen Augen einer der bedeutendsten Weisen, den die Menschheit hervorgebracht hat. In meinem Roman bringe ich seine faszinierende Weisheit und innere Freiheit im Rahmen einer fiktiven Phase seines Lebens zur Geltung.

Können Gedichte und Romane die Welt verändern?
Sie können im günstigsten Fall die Innenwelt einzelner Leser verändern, ihr Bewußtsein - und damit ihr Leben. Und das ist doch sehr viel.

Warum haben Sie so viel über die Liebe geschrieben?
Weil sie ein großes, unerschöpfliches Thema ist – im Leben und in der Literatur.

In welchem Alter haben Sie mit dem Schreiben angefangen?
Etwa mit zwanzig.

Zu welchem Zeitpunkt haben Sie zum ersten Mal ernsthaft erwogen, Schriftsteller zu werden?
Nach Beendigung meines Studiums. Doch ich wußte, daß die Schriftstellerei in der Regel eine brotlose Kunst ist. Also entschloß ich mich, eine Referendarausbildung zu absolvieren, um danach als Lehrer zu arbeiten und nebenbei zu schreiben.
Aber mein Wunsch, als Schriftsteller zu leben, ließ sich nicht mit dauerhafter Wirkung unterdrücken.

Wann haben Sie diesen Wunsch verwirklicht?
Mit einunddreißig. Hilfreich war mir dabei die Erkenntnis, daß der Beruf des Gymnasiallehrers nicht der richtige für mich war.

Woraus schöpfen Sie Ihre Inspiration?
Aus mir selbst, aus der Literatur, aus meinen Erfahrungen und Beobachtungen, aus der Natur, aus wesentlichen Beziehungen und Begegnungen mit anderen Menschen, aus der Musik.

Was bedeutet Sprache für Sie?
Sprache ist Zauber. Wer ihn kennt, kann verwandeln - oder sich verwandeln lassen.

Worüber schreiben Sie am liebsten?
Über alles, was mich betrifft, interessiert und fasziniert. Ich kann nur gut über Themen schreiben, die mich berühren, die mich persönlich reizen und herausfordern.

Warum wurde Ihnen der Otto-Mainzer-Preis verliehen?
Er wurde an mich vergeben, weil ich ein Künstler sei, "der wie kaum ein anderer in seinem Gesamtwerk die Liebesthematik im Sinne des Preisstifters zum Ausdruck bringt", wie es in der Begründung der Jury heißt.

Wenn Sie die Vor- und Nachteile des Schriftstellerberufes abwägen, zu welchem Schluß kommen Sie?
Daß die Vorteile eindeutig überwiegen. Ich kann mir keinen besseren Beruf für mich vorstellen. Er gibt mir wesentliche und wichtige Freiheiten. Die freie Wahl der Themen und Gattungen. Die Chance, mein künstlerisches Potential zu entfalten. Der Luxus, die Wahrheit zu sagen. Die Möglichkeit, mich immer neuen Herausforderungen zu stellen, die mir nicht von außen diktiert, sondern von innen angeboten werden. Mein Schreiben ist eine selbstbestimmte, persönliche Tätigkeit, mit der ich mich völlig identifizieren kann. Ich lebe ohne Wecker und Terminkalender, bin an keinen festen Ort gebunden, muß mir von niemandem etwas vorschreiben lassen und kann meine Arbeitszeiten selbst einteilen.
Angesichts dieser Vorteile des Schriftstellerberufs sind seine Nachteile in meinen Augen kaum der Rede wert.

Was kann ein gutes Buch bewirken?
Es kann Glück schenken, Leseglück. Es kann helfen, Zeit auf sinn- und wertvolle Weise zu verbringen. Es kann das Bewußtsein des Menschen verändern, der es liest. Und manchmal auch sein Leben. Ein wirklich gutes Buch ist keine normale Ware. Man gibt einen Geldschein dafür her, aber man erhält dafür manchmal etwas, das eigentlich unbezahlbar ist.

Sind Ihre Bücher in andere Sprachen übersetzt worden?
Ja, bislang ins Koreanische, Spanische, Italienische und Niederländische.

Welche Ihrer Bücher sind in anderen Sprachen erschienen?
"Das Zauberbuch", "Amanda und das Zauberbuch", "Kaito", "Der Wunschkristall", "Das Herz eines Engels", "Der gefundene Schatz" und "Der Kuß des Schmetterlings".

In welchen Ihrer Bücher haben Sie eigene Photographien veröffentlicht?
In einer achtbändigen Themenreihe mit Aphorismen und in einer sechsbändigen Reihe mit Gedichten, die im Verlag arsEdition veröffentlicht wurden. Wer mehr über die Aphorismen-Reihe wissen will, klickt hier. Mehr Informationen über die Gedichte-Reihe gibt es hier.

In welchem literarischen Genre fühlen Sie sich am wohlsten?
Ich fühle mich in verschiedenen literarischen Gattungen heimisch: im Gedicht, im Roman, im Aphorismus, in der Erzählung, im Kunstmärchen. Gerade in der Vielfalt der Gattungen und der Möglichkeit, von einer zur anderen zu wechseln, liegt für mich ein besonderer Reiz des Schreibens.

Schreiben Sie jeden Tag ein Gedicht?
Ich kann nur in gewissen Stimmungen Gedichte schreiben. Etwas muß in mir geschehen, das mich dazu inspiriert oder drängt. Ich könnte mich nicht hinsetzen und mir vornehmen: Jetzt schreibe ich ein Gedicht! Ein Gedicht will geschrieben werden, und ich stelle mich ihm als devote Schreibkraft zur Verfügung.

Warum halten Sie an der alten Rechtschreibung fest?
Weil die neue Rechtschreibung eine ebenso überflüssige wie mißlungene Reform ist, die mich immerhin zu folgendem Vierzeiler inspiriert:
Die Rechtschreibreform
ist schon enorm
daneben. Deshalb verschmähe ich sie
wie der Vegetarier das Vieh.

Warum haben Sie eine Homepage ins Netz gestellt?
Um Menschen, die sich aus persönlichen oder beruflichen Gründen für meine Bücher interessieren, die Möglichkeit zu geben, sich ausführlich über mich und meine schriftstellerische Arbeit zu informieren und mich gegebenenfalls zu kontaktieren.

Welche sind Ihre erfolgreichsten Bücher?
Mein Kunstmärchen "Das Zauberbuch" (erschienen 1987), dessen Originalausgabe (eine Taschenbuchausgabe gab es nie) eine Auflage von über 350.000 hat. Meine Gedichtbände "Nur für dich" (erschienen 1983) und "Nur du" (erschienen 2000), die jeweils Auflagen von über 100.000 erreichten, inklusive der Taschenbuchausgaben, was für Lyrikbände ungewöhnliche Erfolge sind.

Wie gehen Sie mit Kritik um?
Kritisch. Und mit der gebotenen Gelassenheit, da man es bekanntlich nicht allen recht machen kann. Die Rezeption von Literatur ist immer auch eine Geschmacksfrage. Entscheidend bei jeder Kritik sind die Motivation und das geistige Niveau des Kritikers. Es gibt angebliche Kritik, hinter deren Fassade sich nur Neid und Mißgunst verbergen. Konstruktive Kritik empfinde ich als sehr hilfreich, sofern sie mit Kompetenz verbunden ist.

Wie würden Sie Ihren Literaturgeschmack kennzeichnen?
Ich schätze vor allem geistigen Tiefgang, poetisches Empfinden, lebensphilosophische Kompetenz, erzählerische Intensität und stilistische Eleganz. Die Chemie muß stimmen zwischen dem Buch und mir.

Ich möchte Texte von Ihnen auf meiner Homepage (in meinem Blog, meinem Forum, meiner Community) veröffentlichen. Darf ich das?
Nein. Für eine Veröffentlichung ist eine schriftliche Genehmigung des Rechteinhabers erforderlich, die in der Regel mit einer Honorarvereinbarung verbunden ist. Eine unautorisierte Veröffentlichung oder Zitierung meiner Texte im Internet oder in Printmedien ist ein Verstoß gegen das Urheberrechtsgesetz.

Darf ich einen Link zu Ihrer Webseite setzen?
Ja.

Haben Sie eine Zielgruppe?
Ich mag dieses Wort nicht, es suggeriert eine Berechnung, die mir fremd ist. Mein Ziel beim Schreiben ist es nicht, eine wie auch immer definierte Zielgruppe zu erreichen, sondern mein Bestes zu geben. Ich weiß, daß die Leser meiner Bücher zwischen vierzehn und vierundachtzig sind und unterschiedlichen sozialen Schichten angehören. Eins haben sie vielleicht gemeinsam: Sie sind emotional, geistig und seelisch aufgeschlossen, berührbar.

Wie stehen Sie zur Musik?
Ich liebe sie, sowohl in aktiver wie passiver Hinsicht. Meine erste Musikliebe waren die Beatles. Mit vierzehn habe ich eine Gitarre von meinen Eltern geschenkt bekommen. Ich lernte das Gitarrenspiel größtenteils autodidaktisch. Mit sechzehn konnte ich diverse Beatles-Songs spielen und singen. Mit achtzehn habe ich damit begonnen, meine ersten eigenen Songs und Lieder zu komponieren. Während meines Studiums bin ich gelegentlich als Straßensänger und im legendären Freiburg Folk & Blues-Club aufgetreten.

Was schätzen Sie an einem Menschen?
Liebesfähigkeit, Offenheit, Schönheit in jeder Form. Geistig-seelische Tiefe, Humor und Esprit. Verläßlichkeit. Übereinstimmung von Worten und Taten.

Was schreckt Sie an einem Menschen ab?
Ichsucht, Aggressivität, Arroganz und Rücksichtslosigkeit. Falschheit, Gefühlskälte, Unzuverlässigkeit und Herrschsucht.

Gibt es einen Traum in Ihrem Leben, der sich nicht erfüllt hat?
Vielleicht gibt es mehr als nur einen. Wie man nicht weiß, was man hatte, bis man es verloren hat, weiß man nicht, was man braucht, bis man es gefunden hat.

Was ist Ihr Lebensziel?
Mein Leben ist sein eigenes Ziel. Ich versuche, jeden Tag so zu genießen, als sei es mein letzter, und jede Chance zu nutzen, möglichst glücklich zu sein.


Seit Hans Kruppa Bücher veröffentlicht, sind ihm viele Fragen gestellt worden. Auf die häufigsten antwortet er auf dieser Seite.

© an Text und Photos by Hans Kruppa